Die zweitägige Exkursion brachte den Teilnehmern wertvolle Erkenntnisse und direkte Einblicke in die Herausforderungen und Innovationen der modernen Forstwirtschaft. Im Mittelpunkt stand das Thema
„Vielfalt Wald – Erholung, Wirtschaft, Technologie“, das die Bedeutung der nachhaltigen Bewirtschaftung sowohl städtischer als auch ländlicher Wälder und großer Privatforste verdeutlichte.
Stadtwald Augsburg –
Ein Vorbild für Urbanen Walderhalt
Die Lehrfahrt begann nach einer kurzweiligen Busfahrt im Herzen von Augsburg, wo die städtische Schutzgebiets-Rangerin Anne-Marie Heinze die Gruppe herzlich imWaldpavillon empfing. Dieser besondere Kulturort, der
vor 21 Jahren errichtet wurde, dient nicht nur der Forstwirtschaft, sondern bietet auch Raum für Kultur und Bildung. Er steht symbolisch für die erfolgreiche Verbindung von Erholung, Natur und Wissenvermittlung.
Jährlich werden hier über 200 Führungen durchgeführt, und der Pavillon ist Heimat von 13 Waldkindergärten, die einen trockenen Rückzugsort mitten in der Natur finden.
Entlang einer der Wände des anschaulich gestalteten Pavillons bewunderten wir die zahlreichen heimischen Gehölze, darunter eine imposante Buche, die Einblicke in den faszinierenden Aufbau des Holzkörpers bietet. Eine
besondere Attraktion ist die umfangreiche Sammlung an Tierpräparaten eines ehemaligen Försters, die die Vielfalt des städtischen Waldes in beeindruckender Weise dokumentiert.
Der Stadtwald Augsburg, mit seinen 2.200 ha gilt als Vorbild für viele Kommunen in Deutschland. Er vereint auf beispielhafte Weise den Schutz des Trinkwassers, den Naturschutz und die Erholungsfunktion und zieht jährlich über vier Millionen Besucher an. Besonders beeindruckend ist, dass dieser Wald über Jahrhunderte zum Schutz des Trinkwassers vor sämtlichen Siedlungsdruck beschützt wurde. Dieser Exkursionspunkt verdeutlichte, wie wertvoll städtische Wälder für die Gesellschaft sind und welche Bedeutung sie in Zeiten des Klimawandels haben.
Forstbetrieb Weißenhorn
– Waldbewirtschaftung mit Weitblick
Nach einer herzhaften Stärkung im Kloster Roggenburg ging unsere Fahrt weiter zum Forstrevier Weißenhorn der Bayerischen Staatsforsten AöR. Der 14.500 ha große Betrieb schlägt jährlich etwa 31.000 fm Holz ein und ist bekannt für seine zukunftsweisenden Techniken.
Forstbetriebsleiter Herr Baumhauer, der auf über 30 Jahre Erfahrung in der Forstwirtschaft zurückblickt, appellierte eindringlich an die Waldbesitzer: „Machen Sie Holz, denn die Forstwirtschaft steht vor enormen Herausforderungen.“
Im Laufe des Rundgangs zeigte er, wie intensiv im Betrieb mit Saattechniken und Jagd gearbeitet wird. Eine Besonderheit des Reviers sind die bereits frühzeitig eingebrachten Tannensaaten, die heute eindrucksvolle
Waldflächen mit einer dominanten Tannenstruktur bilden. Baumhauer machte klar, dass die Forstwirtschaft in Zeiten des Klimawandels vor gravierenden Veränderungen steht. Stärkere Winde, Dürreperioden,
Starkregen und Hitze erfordern eine flexible Waldbewirtschaftung. Die Mischung verschiedener Baumarten sowie die horizontale und vertikale Aufrauhung der Waldbestände seien entscheidende Schutzmechanismen gegen klimabedingte Totalausfälle. Die Ergebnisse von Windkanalversuchen in Göppingen bestätigen diese Strategie. Baumhauer betonte, wie wichtig es sei, die Struktur und Artenvielfalt des Waldes zu erhalten und den Wald gezielt auf die Herausforderungen der Zukunft vorzubereiten. Die drei wichtigen Säulen für einen zukunftsfähigen Wald:
Mischung mit vielen verschiedenen Baumarten, Pflegen, pflegen, pflegen und Holz machen. Wir werden uns darauf vorbereiten müssen, dass da nochmal viel Zeit, Geld und Arbeit reinzustecken ist.
Donzdorf
– Windkraft und forstliche Vielfalt im Großprivatwald
Am zweiten Tag der Lehrfahrt erwartete die Teilnehmer ein besonderes Highlight: Der Besuch des Forstbetriebs von Konrad Graf von Rechberg in Donzdorf. Nach einem reichhaltigem Frühstück im Hotel Becher sorgte die
malerische Landschaft mit ihren steilen Hängen und Höhenunterschieden von bis zu 400 Metern für Staunen.
Markus Ritter, der Forstbetriebsleiter, führte die Gruppe durch einen Teil des 2.800 ha großen Forstbetriebs im mittleren Keuper.
Ein Höhepunkt der Führung war der Besuch der 19 Windkraftanlagen, die sich harmonisch in die Landschaft einfügen. Von den Dörfern im Tal aus sind diese kaum sichtbar, was ein wesentlicher Grund für die hohe
Akzeptanz in der Bevölkerung ist. Ritter erklärte detailliert die Vor- und Nachteile der Windkraft und betonte, dass die Anlagen teilweise abgeschaltet werden müssen, etwa bei Eisgefahr im Winter oder wenn der Vogel- und Fledermausschutz Vorrang hat.
Ein weiterer beeindruckender Anblick war ein Douglasienhieb, bei dem 130 Jahre alte, 48 Meter hohe Baumriesen gefällt wurden. Diese Kolosse, die aus amerikanischem Saatgut stammen, hatten bereits ihre Reifephase hinter sich (über 10 fm der Einzelstamm), so dass es notwendig war, Lichtkegel zu schaffen, um den nachfolgenden Bäumen eine Chance zu geben.
Ritter zeigte den Teilnehmern auch die beeindruckende Vielfalt an Baumarten im Forstbetrieb, die von Eichen, Linden, Fichten bis hin zu exotischeren Arten wie dem Riesenlebensbaum und der Küstentannen reicht. Doch
diese Vielfalt birgt auch Herausforderungen: Die Buche, die in der Region gut gedeiht, droht, andere Baumarten zu verdrängen, weshalb gezielte Pflegemaßnahmen notwendig sind.
Technikum Laubholz
– Zukunft der Holzverarbeitung
Der letzte Programmpunkt der Lehrfahrt führte die Teilnehmer nach Göppingen, wo wir einen exklusiven Einblick in das “Technikum Laubholz” erhielten. Hier erfuhren die Teilnehmer, wie innovative Technologien zur
Aufspaltung des Holzkörpers entwickelt werden, um neue, nachhaltige Produkte zu schaffen. Aus Buchenholz wird feines Pulver gewonnen, das zu Fasern versponnen wird und vielseitige Anwendungsmöglichkeiten bietet – von Textilien bis hin zu Materialien für den Leichtbau. Diese umweltfreundlichen Technologien können hoffentlich in Zukunft dazu beitragen, Plastikprodukte zu ersetzen und die Holzverarbeitung zu revolutionieren.
Fazit der Lehrfahrt
Die Lehrfahrt bot eindrucksvolle und lehrreiche Einblicke in die Arbeit von drei sehr unterschiedlichen Forstbetrieben: dem städtischen Wald, dem Staatsforst und dem Privatforst. Doch trotz ihrer unterschiedlichen
Aufgabenfelder war die zentrale Botschaft klar: Die Zukunft des Waldes liegt in der Vielfalt. Die Mischung unterschiedlicher Baumarten, die Erhaltung der Struktur und die rechtzeitige Holznutzung sind entscheidende
Faktoren, um den Wald in Zeiten des Klimawandels zu sichern. Holz zu machen, bevor es durch Extremwetterereignisse oder Schädlingsbefall verloren geht, bleibt eine der wichtigsten Aufgaben der Forstwirtschaft. Der Ausblick auf zukünftige technologische Verwertungsstrategien gibt Hoffnung und Anreize, die bunte Vielfalt im Wald tatkräftiger denn je mitvoranzutreiben.
